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Zentrum Seelsorge und Beratung

Unser Angebot

Das Zentrum Seelsorge und Beratung ist ein Fachzentrum, das kirchliche Mitarbeitende und Träger im Bereich der EKHN berät, unterstützt und fachlich qualifiziert. Diese Mitarbeitenden und Träger verantworten bzw. führen in Kirchengemeinden und Dekanaten, Kirchenleitung und Kirchenverwaltung sowie im Diakonischen Werk Seelsorge und Beratung durch.

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Das Zentrum Seelsorge und Beratung ist ein Fachzentrum, das kirchliche Mitarbeitende und Träger im Bereich der EKHN berät, unterstützt und fachlich qualifiziert. Diese Mitarbeitenden und Träger verantworten bzw. führen in Kirchengemeinden und Dekanaten, Kirchenleitung und Kirchenverwaltung sowie im Diakonischen Werk Seelsorge und Beratung durch.

"Suizidhilfe"

ZUM UMGANG MIT DER ZU ERWARTENDEN GESETZLICHEN NEUREGELUNG DES § 217 STGB

Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG ) hat mit seinem Urteil vom 26. Februar 2020 den § 217 StGB („Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Beihilfe zum Suizid“) als verfassungswidrig erklärt. Die Begründung hierfür leitet das BVerfG u.a. aus dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht ab (Art. 2 Abs. 1 i. V. m. Art. 1 Abs. 1 GG). Dieses umfasst nach Ansicht des BVerfG auch ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben.

Die Mitglieder der AG Medizinethik in der EKHN haben sich intensiv mit dem Urteil und den bisher daraus hervorgegangenen gesellschaftlichen und kirchlich-diakonischen Debatten befasst. Auch wenn der Gesetzgeber noch keine gesetzliche Neuregelung des §217 StGB verabschiedet hat, so sind durch das Urteil doch viele grundsätzliche Fragen aufgeworfen. Vor diesem Hintergrund hat die AG eine Handreichung erstellt, die sowohl für die persönliche Auseinandersetzung mit dieser Thematik genutzt werden kann, wie auch hilfreiche Anregungen geben soll zur Diskussion in Teams, mit Kolleg*innen, in Arbeitsgruppen und in Einrichtungen.

Aufgrund der noch ausstehenden gesetzlichen Neuregelung heißt der Text: „Suizidhilfe“. Zum Umgang mit der zu erwartenden gesetzlichen Neuregelung des § 217 StGB - und kann somit nur einen Zwischenstand darstellen. Diese Handreichung gibt es nicht in gedruckter Form, sondern nur als PDF-Datei. Der Vorteil ist, dass alle Verweise direkt im Dokument verlinkt und somit leicht auffindbar sind für eine vertiefende Beschäftigung. 

Omikron - Seelsorge während Besuchsverbot in Krankenhäusern

Klinikseelsorge

Besuchsverbot: Patientinnen und Patienten stärken 

Bereits vor der Omikron-Welle hat bereits ein Besuchsverbot in vielen Kliniken gegolten. Das wirkt sich unmittelbar auf die Patientinnen und Patienten aus, auch wenn Ausnahmen zugelassen sind. Klinikseelsorgende stehen ihnen zur Seite und motivieren Angehörige, weiterhin mit kreativen und liebevollen Gesten den Kontakt zu halten. Zudem setzen sich die Seelsorgenden dafür ein, dass Sterbende auf ihrem letzten Weg gut begleitet werden.

 

Seit einigen Monaten gilt in den Krankenhäusern bereits ein Besuchsverbot, das aber wenige Ausnahmen einschließt. In Ausnahmefällen können Besuchende in die Klinik kommen, wenn der Behandlungserfolg davon abhängt oder wenn jemand im Sterben liegt. Auch Richter oder die Polizei können bei entsprechenden Gründen ein Krankenhaus betreten.

Ob Luftballon-Strauß oder Fotobuch – viele Angehörige senden liebevolle Signale

Klinikseelsorgerin Kiworr-Ruppenthal erlebt, wie sehr sich Angehörige und Freude ins Zeug legen, um trotz des Besuchsverbots neuen Mut zu schenken: „Sie übergeben mir Kuscheltiere, Luftballons zum Geburtstag oder gemalte Bilder, die ich dann den Patientinnen und Patienten bringe. Auch die Fotobücher zu Weihnachten kamen sehr gut an.“ Die Pfarrerin ist im St. Josefs-Hospital Rheingau in Rüdesheim tätig und ermutigt Familienmitglieder und Bekannte weiterhin, ihre Angehörigen im Krankenhaus mit diesen liebevollen Gesten und Telefonaten zu unterstützen. „Das wird sehr positiv aufgenommen“, versichert Renate Kiworr-Ruppenthal.

Kontakt per Smartphone, Festnetztelefon und Videotelefonie wird unterstützt

Auch Klinikseelsorger Jung-Hankel motiviert Angehörige und Freunde, per Telefon oder Tablet den Kontakt zu pflegen. Falls der Patient kein eigenes Smartphone benutzen könne, solle geduldig die Station angerufen werden, die Pflegekräfte könnten auch dann ein Gespräch vermitteln. Auch der Pfarrer selbst hilft dabei, einen Videokontakt per Tablet herzustellen. Er steht den Menschen in der BG Unfallklinik Frankfurt am Main bei, ist aber auch Sprecher der Klinikseelsorge in der EKHN und im Vorstand der EKD-Konferenz „Klinikseelsorge“.

Seine Kollegin im Rheingau stärkt ebenso die Verbundenheit der Patienten mit ihren Angehörigen mit Hilfe digitaler Möglichkeiten: „Wenn die Familie mir eine Audio-Datei mit dem Klavierspiel der Enkelin schicken, spiele ich sie am Patientenbett vor.“ Ihre Unterstützung beinhaltet auch rein Pragmatisches: „Ich leiste auch manchmal technischen Support und organisiere Ladekabel für Smartphones.“

Klinikseelsorge bleibt ansprechbar – aktiv nach einem Gespräch fragen

Die medizinischen Fachkräfte, aber auch die Klinikseelsorgerinnen und -seelsorger sind für die Patientinnen und Patienten da. Doch das wissen viele Patienten und Angehörige nicht – zumal sich die Aufmerksamkeit erst einmal rund um Diagnosen und OP-Termine dreht. Zudem erfahren Klinikseelsorgende aus rechtlichen Gründen nicht von Neuzugängen. „Wir müssen von einem Wunsch nach Kontakt und Begleitung hören, damit wir aktiv werden können. Deshalb ermutigen wir, uns anzurufen – in den Kliniken informieren Aushänge über die Kontaktdaten, auch im Internet sind wir zu finden. Aber auch das Pflegepersonal informiert uns gerne über einen Gesprächswunsch“, erklärt Klinikseelsorgerin Kiworr-Ruppenthal.

zsb.ekhn.de/klinikseelsorge/klinikstandorte.html

Folgen des Besuchsverbots bei Patientinnen und Patienten

Klinikseelsorgerin Renata Kiworr-Ruppenthal weiß, dass alles dafür getan werden muss, um die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen. Sie erlebt aber auch, wie sich die Regelung bei Patientinnen und Patienten auswirkt: „Einige zeigen großes Verständnis für das Besuchsverbot. Andere sind dagegen sehr frustriert. Manche klagen, dass sie sich nie so etwas Schlimmes hätten vorstellen können.“ Die Pfarrerin erfährt dann in vielen Fällen, dass diese Patientinnen und Patienten auch zu Hause oft allein seien. Schon vor der Pandemie habe die Klinikseelsorgerin festgestellt, dass Einsamkeit für viele Menschen ein großes Thema sei. „Corona ist wie ein Vergrößerungsglas, das gesellschaftliche Probleme noch deutlicher zeigt.“ Pfarrerin Kiworr-Ruppenthal berichtet: „Ich ermutige die Patienten von Ereignissen zu erzählen, die ihnen wichtig sind in ihrem Leben. Das mildert etwas die Einsamkeitsgefühle.“ Klinikseelsorger Jung-Hankel erklärt, worum es in den Gesprächen geht: „Zeit zu haben und zuhören, damit Nähe entstehen kann. Am Anfang reden wir oft über Alltägliches. Nach und nach können die Gespräche an Tiefe gewinnen.“

 

Not der Corona-Patienten

In Frankfurt erlebt Pfarrer Jung-Hankel, dass vor allem die Corona-Patienten von einem Gefühl der Isolation betroffen seien. Beispielsweise werden sie auf dem Weg zu einer Untersuchung mit einer durchsichtigen Abdeckung umhüllt, zudem sorge die Schutzkleidung des medizinischen Personals für zusätzliche menschliche Distanz. „Das macht was mit den Menschen, sie psychischen Folgen lassen sich noch nicht abschätzen“, äußert sich der Klinikseelsorger in besorgtem Ton. In der kleinen Rheingauer Klinik steht Renata Kiworr-Ruppenthal nahezu täglich den Corona-Patienten bei. Sie begleitet sie vor allem, wenn sie von der Beatmungsmaschine entwöhnt werden und langsam aus dem künstlichen Koma aufwachen. „Anfangs sind sie noch etwas irritiert und ich helfe ihnen dabei, allmählich wieder in der Realität anzukommen“, berichtet sie.

Leid mit aushalten – Segensengel als symbolischer Begleiter

Während ihrer Arbeit begegnen die Klinikseelsorgenden immer wieder Menschen, deren Leid unfassbar groß ist. Dann seien Ratschläge nicht gefragt. Pfarrerin Kiworr-Ruppenthal macht deutlich: „Seelsorge heißt dann für mich, gemeinsam mit der Patientin oder dem Patienten Unerträgliches auszuhalten.“
Immer wieder erreichen Klinikseelsorgerin Kiworr-Ruppenthal auch Gebetswünsche von Menschen, „die sonst nicht so religiös sind“. Gute Erfahrungen hat sie damit gemacht, den Patienten einen Handschmeichler in Form eines Herzes oder Engels zu übergeben. „Das erinnert sie auch nach dem Gebet oder Gespräch daran, dass jemand an sie gedacht hat“, so die Klinikseelsorgerin.

Evangelisches Abendmahl auch am Krankenbett möglich

Pfarrer Jung-Hankel nimmt oft die Gebetsanliegen seiner Patientinnen und Patienten mit in den „Raum des Lebens“, die Kapelle der Klinik. Was Wenige wissen: „Als evangelischer Klinikseelsorger bietet ich auch das Abendmahl am Krankenbett an, die katholische Kollegen feiern Kommunion. Das Abendmahl feiern wir aber auch öfter im sonntäglichen Klinik-Gottesdienst“, berichtet der Pfarrer.

Dem Personal beistehen

Beide Klinikseelsorgende legen außerdem großen Wert darauf, die Pflegekräfte zu stärken. Denn sie stehen mehrmals täglich in unmittelbarem Kontakt mit den Erkrankten. „Ich kann die Ärztinnen und Ärzte und die Pflegekräfte nur loben – sie geben im Zwischenmenschlichen oft so viel mehr“, so die Klinikseelsorgerin. 

Niemand muss alleine im Krankenhaus sterben – Seelsorge auch für Angehörige da

Nicht immer ist es den Ärztinnen und Ärzten möglich, Menschenleben zu retten. „Niemand muss allein im Krankenhaus sterben, trotz offizieller Besuchersperre. Wenn jemand im Sterben liegt, dürfen die Chefärzte eine Sondergenehmigung den Angehörigen erteilen“, erklärt Klinikseelsorger Jung-Hankel. Oft werde er dann in einer solchen Situation dazu gerufen und begleitet die Menschen auf ihrem letzten Weg. In der Klinik, aber auch im ambulanten Bereich, steht auch Pfarrerin Kiworr-Ruppenthal sterbende Menschen bei. Sie erlebt: „Gerade aufgrund der strengeren Besuchsregelungen machen sich Angehörige große Sorgen, dass sie ihren sterbenden Angehörigen nicht ausreichend oft besuchen konnten.“ Diese herausfordernde Situation sollten Angehörige nicht unterstützen, deshalb ermutigt sie: „Ich bin auch für Angehörige ansprechbar, selbst wenn der verstorbene Angehörige schon vor drei Wochen aus dem Krankenhaus abgeholt wurde. In Rüdesheim bieten wir auch Trauergruppen an, um das Erlebte besser verarbeiten zu können.“

Ehrenamtliche Hospizhelfende haben einen Zugang in die Klinik

Sterbende Patientinnen und Patienten erfahren auf Wunsch eine intensive Betreuung in der Klinik im Rheingau: „Durch den Hospizverein haben wir rund dreißig ausgebildete ehrenamtliche Hospizhelferinnen und –helfer sowie sechs Hospizschwestern. Sie alle gehören zum erweiterten Behandlungsteam und dürfen die Klinik auch bei offiziellem Besuchsverbot betreten, denn sie sind alle geimpft und lassen sich zusätzlich testen.“ Verstärkt sei ihr Hospiz-Team während der Pandemie im ambulanten Bereich gefragt: „Manche unserer Klienten sind jahrelang von einer schweren Krankheit betroffen. Wenn jetzt eine akute Verschlechterung eintritt, meiden sie aber das Krankennaus aus Angst vor Ansteckung.“  Ob ambulant oder stationär – die Hospiz- und Klinikseelsorge in der EKHN ist offen für Patientinnen und Patienten, ihre Angehörige, sterbende Menschen sowie für Mitarbeitende in den Einrichtungen.

 

 

 

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